„Ja, ich bin verliebt in den Kirchenraum unserer Propsteikirche mit allen ihren Kunstwerken.“

Duderstadt. Haben Sie sich einmal im Laufe des Tages in eine Kirchenbank gesetzt und Ihre Umgebung auf sich wirken lassen?

Die eigene Pfarrkirche kenne ich doch, höre ich sagen. Die Pfeiler unserer Hallenkirche wie auch die Fenster des Chorraumes streben dem Himmel entgegen. Sie machen das Verständnis der Gotik anschaulich, nämlich das himmlische Jerusalem darzustellen. Die Bedeutung des Chorraumes wird durch größere Helligkeit und Höhe im Vergleich zum Mittelschiff unterstrichen.

Die Gedanken gehen zwangsläufig  zu den Schöpfern dieses Bauwerkes, den Baumeistern und Künstlern mit ihren Vorstellungen über ein Gotteshaus. Es sollte ein Haus sein, in dem sich Menschen in der Gegenwart Gottes geborgen fühlen sollen. Sie bringen ihre Lebenswelt ein, nämlich die mit Gott und seinen Hausgenossen, den Heiligen, die zur Geschichte der Kirche gehören. Unter dem herrlichen Heiligenhimmel von 1500 in den 80 Schlusssteinen im Netzwerk des Gewölbes fühlen sich die Menschen beschützt.

Gern lasse ich mich ergreifen und selbstvergessen hineinversetzen in die Glaubenswelt jener Zeit. – Andreas Georg Kersten, Künstler der Barockzeit, vermittelt mit den überlebensgroßen Figuren der 12 Apostel und Paulus die „Säulen der Kirche“ – Apostelgeschichte, Evangelien, Briefe gehen mir durch den Sinn.

Die Hl. Sippe erinnert an Menschen, die aus der Bibel namentlich bekannt  sind und zur Verwandtschaft Jesu zählen.

Mit dieser Darstellung wollen die Künstler den Gläubigen die Geschichten der Bibel näher bringen.

So wie Wallfahren auch „beten mit den Füßen“ heißt, so kann die Begegnung mit den Kunstwerken in unserer Kirche „beten mit den Augen“ genannt werden.

Ruth Schäfer