Pfarrgemeinde. Kennen Sie die Werbung mit dem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp, es geht darum um eine bestimmte Automarke, die man ihm nicht zugetraut hätte und endet mit der Aussage: „Umparken im Kopf!“

Mir geht diese Aussage nicht mehr aus dem Kopf.

Umparken, das ist die modernere Formulierung für das, was Markus zu Beginn seines Evangeliums schreibt: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“

Umparken, umkehren, das scheint wirklich im Kopf zu beginnen, beim Denken. Denn einige Kapitel später schreibt Markus: „… nicht was von außen in den Menschen hineinkommt, macht den Menschen unrein, sondern was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein“.

Damit sind vor allem die Gedanken gemeint, die nicht glücklich, sondern eher krank machen – negative Gedanken.

Durch die Einladung Jesu wird das Umparken zu einem heiligen Experiment, denn er ist der Heilige.

Wer wäre nicht schon mal negativen Gedanken verfallen, sei es im Blick auf die Flüchtlinge und Asylbewerber, den nervenden Nachbarn, die unmöglichen Verwandten, den mobbenden Arbeitskollegen, die Erneuerer oder Traditionalisten in unserer Kirche, die eher sozial oder fromm ausgerichteten Christen, auf …. die Liste ließe sich noch sehr viel mehr erweitern – oder?

Eine Hilfe zum Umzuparken im Kopf, im Denken, wie Umkehr gehen könnte, gibt uns der hl. Paulus im Römerbrief (15,7): „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.“

Paulus hat im Blick auf seine Gemeinde die Erfahrung gemacht, dass es leicht passiert, dass diejenigen, die anders denken, verurteilt werden, man sich dabei selbst überlegen fühlt und sich schließlich in unvereinbarer Widersprüchlichkeit verstrickt.

Deshalb lädt er die „Starken“ ein, die „Schwachen“ anzunehmen, ohne mit ihnen über ihre Überzeugungen zu streiten. Dann fordert er die „Schwachen“ auf, ihrerseits die „Starken“ anzunehmen, ohne sie wegen ihrer freien Gesinnung zu verurteilen – weil auch sie von Gott angenommen sind.

Dieses Wort ist eine dringliche Einladung, das Positive im anderen zu erkennen, und sei es nur, weil Christus sein Leben auch für jene Person gegeben hat, die man eigentlich verurteilen möchte! Es ist eine Einladung zuzuhören, ohne sich zu verteidigen, für Veränderungen offen zu bleiben, Andersartigkeit mit Respekt und Liebe anzunehmen und so eine vielstimmige und zugleich geeinte Gemeinschaft zu ermöglichen.

Dieses Wort ist übrigens in der evangelischen Kirche als Jahreslosung der Herrenhuter Brüdergemeinde sehr verbreitet.

Daher denke ich, dass vor allem die Kirchen dazu aufgerufen sind, die seit Jahrhunderten zerbrochene Einheit wieder herzustellen. Da könnte das Bistum Hildesheim im Jubiläumsjahr im Sinne des „heiligen Experiments“ ja auch mal ein deutliches Zeichen setzen und ein heiliges Experiment in der Ökumene wagen.

Das ist die Reformation schlechthin, das unbedingt notwendige Umparken: die gegenseitige Annahme, das positive Denken vom Nächsten als erster Schritt hin zur Einheit der Kirchen und dann auch zu  einer weltweiten Geschwisterlichkeit unter allen Menschen, in einer Welt, die Geschwisterlichkeit überlebensnotwendig hat, denn nur im 2. Weltkrieg waren so viele Menschen auf der Flucht wie heute!

Ich bin gespannt wie uns auch als frisch fusionierte Pfarrgemeinde das Umparken im Kopf gelingen wird und wo es besonders nötig ist und wie die gegenseitige Annahme weiter wachsen wird.

In den Gremien – und hoffentlich in den Gruppen der Pfarrgemeinde – werden wir darüber diskutieren. Wir sind als Pfarrgemeinde mit den sechs Orten vielfältiger geworden, mit den Flüchtlingen in unserer Region (bisher rund 70 Nationen) werden wir noch bunter. Ich bin da zuversichtlich, da wir mit der Tradition einen guten Boden haben, auf dem wir stehen. Und wer gut verwurzelt ist, der kann sich auch gut aus dem Fenster lehnen.

Das neue Logo der Pfarrgemeinde soll daran erinnern – eine Art Verkehrszeichen, dass die Richtung angibt. Allerdings braucht es dafür noch einen Titel, eine Überschrift – vielleicht: ein Leib in Christus und viele Glieder – oder weniger theologisch: offene Heimat für alle – oder Heimat auf dem Weg in die Zukunft….. Vielleicht haben Sie eine noch viel bessere Idee!

Daraus könnten wir Ziele und eine strategische Umsetzung dieser Ziele entwickeln, um dadurch ein klares Programm zu haben, was wir als Pfarrgemeinde tun UND lassen sollten. Auch als Team der Hauptamtlichen haben wir uns mit Zielen auseinander gesetzt.

Gedanken wie: Geschwisterlicher Umgang, Geduld haben, maximale Teilhabe, gemeinsame Taufwürde, Stärken der Kirchorte nutzen usw. kamen dabei zu Tage.

Eine gute Hilfe, um sich mit Zielen auseinanderzusetzen, sind die Fasten- und Osterandachten, sicherlich die Glaubenswerkstätten (die nächste ist übrigens am Sonntag, dem 26.4., ab 10.30 Uhr auf dem Breitenberg, mit Angeboten rund um das Thema „Auferstehung“) und die Angebote des „Zentrums für Kirchenentwicklung“: z.B. die „Gabenseminare“.

Das Logo kann ein guter Kick-off sein, wie man heute sagt, d.h. ein Anstoß, das Umparken im Kopf nicht zu vergessen und ein heiliges Experiment zu beginnen – eben ein Experiment mit dem Heiligen, dem Auferstanden in unserer Mitte.

Ihr Propst Bernd Galluschke