Thema der Andacht: „Wer sich vom gekreuzigten Jesus anschauen lässt, wird gleichsam neu geschaffen“  (Papst Franziskus)

Die Sternwanderung zum Christus-König Kreuz ist für die Gemeinden rund um den Euzenberg schon lange zur Tradition geworden. Und trotzdem hört man jedes Jahr: „Da war ich noch nie mit! Was passiert da eigentlich?“

Nachdem die Gläubigen aus den verschiedenen Himmelsrichtungen auf den Euzenberg gepilgert sind, feiern sie dort eine Dankandacht anlässlich des Festes „Kreuz Erhöhung“. Jeder Kirchort beteiligt sich mit einer Fürbitte.                                                                                                                                                                     In diesem Jahr hielt Propst Bernd Galluschke die Andacht.  Seine Predigt begann er mit seinen Gedanken zum Kreuz als Symbol der Christen.  Die Welt sei voller Symbole, stellte er fest. Alles und jedes könne zum Symbol werden. Die Frage sei, was wir zum Ausdruck bringen wollen. Das gelte auch für das Kreuz als Schmuck oder an der Wand!   Die Akzeptanz des Kreuzes, vor allem als Kruzifix (mit Körper) stände aber auch immer wieder in der Diskussion.                                                                                                                                                                        Propst Galluschke lud die Anwesenden zu einer Kreuzesmeditation ein. Sie sollten aufstehen und die Arme in Kreuzesform ausstrecken, um so die Spannung wahrzunehmen, die sich im Leib aufbaue. Dazu spach er: „Die Spannungen zwischen oben und unten, zwischen Erdverbundenheit und Offenheit für das Himmlische, zwischen den Ansprüchen und den Interessen der Mitmenschen und der Welt, die uns umgibt, kreuzen sich in jedem von uns und wir können sie nur für eine kurze Zeit ertragen.  – Die Arme werden mit der Zeit immer schwerer und sinken.                                                           Diese Erfahrung kann uns mit allem Gegensätzlichen konfrontieren, das auf uns einwirkt und das wir nicht auflösen können.                                                                                                                                                                Unser Wunsch, gesund zu leben und dagegen die Grenzen, die uns durch Krankheit und Tod gesetzt sind;    unsere Sehnsucht nach Harmonie und Frieden und dagegen deren Bedrohung durch die Interessen anderer.   Wie können wir mit den Grenzen unseres Lebens, wie mit Krankheiten, Tod, Schicksalsschläge oder Katastrophen leben? Auch wenn wir alles tun, um möglichst viel von uns abzuwenden, es bleibt ein Rest, dem wir ausgesetzt sind.“                                                                                                                          Das Kreuz sei für ihn ein Symbol für die Bedrohungen und Grausamkeiten auf der Welt, denen wir irgendwann mehr oder weniger ausgesetzt sind. Aber der Blick auf das Kreuz erinnere uns auch daran, wie Jesus mit seinen Mitmenschen, mit dem Leid und dem Unrecht umgegangen ist. Und dass wir vom Vater die Kraft erbitten können, es im gleich zu tun. Auch stehe das Kreuz für die Hoffnung auf ein (anderes) Leben nach dem Tod. Mit dem Inhalt des Films „ Leben ist schön“ unterstrich der Propst seine Gedanken.                                                                                                                                             Ein besonderes und wertvolles Schmuckkreuz, das Nordhäuser Kreuz, hatte Propst Galluschke mitgebracht und den Teilnehmern der Andacht präsentiert. Im weiteren Verlauf seiner Predigt berichtete er über die Historie des Reliquienkreuzes:                                                                                                                                            Im Jahr 1675 erwarb Kommissarius Herwig Böning für die  St. Cyriakuskirche dieses kostbare Kreuz aus dem Dom zu Nordhausen.                                                                                                                                 Im Jahr 990 schenkte Kaiser Otto III.  der Kirche in Nordhausen einen Splitter vom Kreuze des Heilandes. Das mit dem Dom verbundene Stift ließ (Ende 13.Jhdt.)die Kreuzpartikel in das goldene Kreuz einfassen und von einem Geistlichen in Verantwortung aufbewahren. Für die Nordhäuser war das hl. Kreuz ihr größtes Heiligtum. 1675 hatte der Erzbischof von Mainz vor, das Domstift                                    (Heiligkreuzstift) aufzuheben. Da die Domherren Angst hatten, dass das hl. Kreuz in falsche Hände geraten könnte, verkauften sie es über Kanonikus Huke an Herwig Böning.                                                                             So erhielt die St. Cyriakuskirche ein unschätzbares Heiligtum. Die Kostbarkeit des Kreuzes wird durch die Verzierung mit Edel- und Halbedelsteinen, Bergkristallen, Bernstein und vergoldetem Silberblech betont. Die Kreuzreliquie, die in das Holzkreuz eingelegt ist, wird von einem großen, medaillonartigen Bergkristall eingeschlossen. Die Rückseite des Kreuzes ist nicht mehr im originalen Zustand, der Corpus wurde durch einen spätgotischen Corpus ersetzt. Herwig Böning veranlasste 1677 die Anfertigung eines neuen Fußes durch einen Goldschmied in Nordhausen.

Nach der Andacht, die vom Duderstädter Blasorchester begleitet wurde, konnte man bei Kaffee und Kuchen und Mettwurstbroten die herrliche Aussicht genießen und im Sinne der Fusionen das        Wir-Gefühl in Gesprächen stärken.

Herzlichen Dank an Propst Galluschke, an Klaus Brune für die Ausarbeitung der Andacht, an die Musikanten, an alle Aktiven und für die Spenden der Teilnehmer. Die Spenden kommen der Hilfe, bzw. Beschäftigung für Flüchtlingsfamilien über das Projekt Nächstenliebe zugute.

Monika Nolte